Ich bin hier um eine Botschaft aufzuzeigen


Mir ist es recht, wenn mir Telegram-Abonnenten flöten gehen. Ich fand es nämlich nicht mehr stimmig, diese mit Fremdlinks und Reposts zu füttern, nur damit sich da jemand mental beschäftigen oder sogar aufgeilen kann, ohne, daß ich mitbekomme, was das in einem etwaigen Adressaten überhaupt bewirkt. Infos über Infos habe ich in einen leeres Loch geschmissen, doch für was? Ich kriege nämlich praktisch Null mit, was in euch, meinen lieben Konsumenten vorgeht. Ich habe von fast allen keinen blassen Schimmer wer ihr seid, und was ihr überhaupt wollt.


Was ich nämlich zu vermitteln versuche, meine Botschaft, ist doch nicht, daß jemand seine Lebensminuten damit vergeudet, anzuschauen, was ich oder andere von sich geben, denn davon hat derjenige, du, doch gar nichts. Du kannst nur sagen: „Das ist Mist“, oder „Der hat Recht!“ Doch was nützt diese Meinung? Meine Botschaft ist doch nicht „eine eigene Meinung“ zu haben, sondern eben genau aus dieser Meinungs- bzw. Konsumhaltung und Passivität herauszukommen, und anzufangen ebenso eine Botschaft, die wahr ist, als lebendiger Repräsentant in die Welt zu tragen. In dem Moment würdest du erst selber merken, was das bedeutet; vorher nicht!


Das hat nichts mit bestimmten Sichtweisen oder Philosophien zu tun. Du mußt auch kein Übermensch sein, der todesmutig irgendwelchem Komfort entsagen muß. Der große heroische Akt ist, sich für das Bessere zu entscheiden, ähnlich wie sich ein übergewichtiger Fettsack entschließt, abzunehmen und Sport zu machen. Natürlich ist da ein gewisser Energieaufwand nötig, besonders am Anfang, wenn eine Gewohnheit noch nicht eingerastet ist, aber wenn ich weiß, wieso ich das mache, und nach und nach auch immer mehr die Ergebnisse sehe, dann zahlt sich doch die Aktivität zigfach wieder aus. Von wegen Entbehrung. Als ob irgendwas verloren geht, wenn ich diese Lethargie und Langeweile hinter mir lasse und mich für das Abenteuer entscheide.


Das Problem ist: Das Kaputte, das Schlechte, der Zigarettengestank, die Alkoholfahne, das Schwabelfett am Hintern, die durch Piercing und Tattoos verstümmelten Körper, der masochistische Drang sich Stoff ins Gesicht zu tackern, um nicht mehr richtig atmen zu können, all das ist Ausdruck des Lebenshasses auf das immer schon vorhandene Schöne und Natürliche, einer Verweigerung, das überhaupt noch wahrnehmen zu wollen. Eine Kultur, die sich so dermaßen selber verstümmelt und unattraktiv macht hat sich im Gros für das offenkundig Schlechtere entschieden, für den mieseren Partner, der dich undankbar behandelt und der hässlich ist, für den schlechten Job, indem du nur noch Rädchen im Getriebe bist, für den schlechteren Look, indem du dir als Frau die Haare abrasierst oder blau färbst, für das Unglück, das du dir in das Leben ziehst, indem du meinst Versagern helfen zu müssen.


Zum Letzteren tendiere ich sicher auch, wenn ich versuche mich hier hineinzuversetzen, was in anderen abgehen muß, die so ihr Leben fristen. Ich bin aber sicher nicht da, irgendjemandem aus seinem Loch zu helfen, denn die Arbeit selber kann nur jeder für sich tun – die Früchte einheimsen aber ebenso. Wenn du also meinem Beispiel nicht folgen willst, dann ist das nämlich ganz alleine dein Problem! Geh und himmle irgendwelche wichtig erscheinenden Figuren an, die werden dir sicher weiterhelfen. Die können dann bewundert werden, und als Projektionsfläche dienen.


Was willst du also noch auf diesem kleinen Kanal/Blog? Es gibt doch weit erfolgreicher wirkende Personen und Prominente, die dir doch sicher weit mehr Inspiration verleihen können, denn Tausende und Millionen Follower können doch nicht täuschen, oder? Ich bin doch nur ein unwichtiger, unbedeutender Hans-Wurst, der genauso wirkt, wie jeder andere auch, wie dein Nachbar oder Arbeitskollege, Vermieter oder Chef. Was gibt es also noch für dich zu suchen hier? Ich meine, genau wie Letztere sage ich dir: Gehe und mache deinen Job! Tue das, für was du verdammt nochmal geboren wurdest und hänge nicht herum, wie jemand, der gar nicht weiß, was er hier soll! Ich habe gar nichts von so einem Nichtsnutz. Wenn du den Job, für den du angetreten bist - denn sonst wärst du ja nicht hier - nicht machst, dann schaue zu, wie du in deiner dunklen Gosse zurechtkommst.


Angenehm sind solche Worte doch sicher nicht. Inspirierend und bezirzend offensichtlich auch nicht. So gesehen ist jeder, der sich das bis hierher noch reinzieht, und nicht die entsprechenden Konsequenzen zieht, wozu auch ein „Abhaken dieser Seiten“ zählen muß, nicht ganz sauber in der Birne. Aber mir soll es recht sein, denn ob ich einen oder 50 Leser habe ist mir die letzten Tage doch immer unwichtiger geworden. Ich brauche euch nämlich wirklich nicht, aber ich sehe: Ihr braucht jemanden wie mich. Und zwar nicht, weil meine Person so großartig und toll ist, sondern weil ich eine Botschaft präsentiere, die ihr nicht habt und auch sonst praktisch nicht anzutreffen ist.


Eine Botschaft, die jeden vor die Frage stellt: Was mache ich jetzt, wo ich davon weiß? Ich kann mir nämlich nicht mehr vormachen, daß es keine Lösungen und Perspektiven gibt. Es gibt Antworten, und es liegt jetzt nur noch an mir, sie zu verwirklichen. Früher, ja, da konnte ich mir noch vormachen, daß es das nicht gäbe und mich so durch mein Leben schlängeln, aber verdammt nochmal dieser Mensch zeigt mir, daß es möglich ist, glücklich und zufrieden zu leben, und zwar nicht, indem er ständig lächelt und gut drauf ist, sondern indem er einfach natürlich empfindet und lebt. Verdammt nochmal, ich kann mir nicht mehr vormachen, daß das nicht ginge.


Alles, was für so einen Menschen nach so einer Begegnung, ob direkt oder indirekt, folgt, ist von nun an seine volle Verantwortung. Flüchtet er sich zurück ins Standard- und Alltagsdenken der Selbstvergessenheit, obwohl er von einer Antwort gehört hat, so hat dieser Mensch seine wohl einzige Chance im Leben verspielt. Geht er auf das Angebot ein, erwartet ihn sicher nicht Glück und grenzenlose Genugtuung, aber er findet Werte, die zu vertreten dem Leben einen Sinn verleihen, die jegliche unangenehmen Gemütszustände, die immer mal auftreten werden, als völlig nebensächlich verblassen lassen.


Es geht nämlich um die Ergebnisse der Arbeit, nicht darum, ob es sich gut anfühlt. Es fühlt sich schon auch gut an, keine Sorge, aber nicht immer gleich und nicht immer sofort, so wie wenn ich Süßigkeiten esse. Das gute Gefühl kommt erst nach getaner Arbeit und dann auch eher unbemerkt, fast schon unscheinbar, aber sicherlich dauerhafter und „nachhaltiger“, wie es im Neusprech gerne heißt. Nachhaltig ist aber ganz sicher keine Lügenpropaganda, sondern nur ein echter, erarbeiteter Wert, für den man selber bluten mußte. Sowas setzt sich nämlich zwangsläufig und verändert von innen heraus. Das bei sich zu erleben ist wie ein Wunder. Es ist ein Wunder, daß das möglich ist.


Wie schon gesagt: Das Einzige, was jemand tun muß, ist, sich für das Bessere entscheiden, wenn er davon gehört hat. Schön verrückt, wie leicht das eigentlich ist. Das Paradoxe ist nur, daß der Mensch an seinem Leiden hängt, wie ein Messie an seinem Hab und Gut. Wer bin ich noch, ohne meine Probleme? Wer bin ich noch, ohne meine Standpunkte? Was habe ich denn noch, wenn ich nicht mehr meine Beziehungsschwierigkeiten wälze? Was bleibt mir dann noch an Beschäftigungen? Nichts. Nichts ist schlimmer, als nichts. Völlige Inhaltsleere, Nicht-Denken, Ruhe. Nichts macht mehr Angst, als alle Bedrohungen der Welt zusammen. Selbst die schlimmste diktatorische Regierung kann da nicht mithalten, denn sie hält die innere Mühle noch am laufen.


Diese Mühle will ich nicht mehr bedienen, indem ich ihr noch Futter und Material zuwerfe. Das einzige, was ich bieten möchte, ist mein Sein, aber nur deshalb, weil ich so bin und es mir besser geht, wenn ich es tue. Ich weiß aber, daß mir an dem Punkt niemand mehr folgen kann, weil jemand eine ähnliche Erfahrung machen müßte, das aber praktisch nicht sehe.

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