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Hörbiographie zu J. S. Bach

vor 1 Stunde
2 Min. Lesezeit

Sehr gerührt bin ich durch das neulich erneute Anhören der Geheimnisse der Harmonie, der sehr ausführlichen Hörbiographie über das Leben des J. S. Bach. Es ist unglaublich welche Strapazen, welche Widerstände dieser Mann durchzustehen hatte, dennoch aber hingebungsvoll seiner Profession treu blieb und sie in seinem Lebenswerk zu einer Perfektion brachte, die bis heute ihresgleichen sucht.


​Interessant ist vor allem von wie vielen Mitmenschen er zu Lebzeiten verkannt wurde, seine Kompositionen mißverstanden wurden, er in eher anderer Rolle als Organist oder Kantor bekannt war, selbst ins Gefängnis mußte und sogar für mehr als ein Jahrhundert nach seinem Ableben ganz in Vergessenheit geriet. Das zeigt, daß diese Kultur schon immer nicht gerade ein gedeihliches Pflaster für Individuen war, die aus ihr wie Blüten aus kurzgemähtem Rasen herauswuchsen. So wie ich es ja auch zeitlebens empfinde.


​Das erklärt, warum ich mich diesem Mann und seiner Schöpfung so verbunden fühle. Es ist heilend, weil es eine universelle Wahrheit anspricht, die hier vertont wiederzufinden ist, und selbst über das Individuum hinausgeht, daß sich da innerhalb einer Alltagskultur zu behaupten versucht. Denn ja, auch Bach hat seine Kämpfe ausgetragen, nicht immer erfolgreich, große Schicksalsschläge durchzustehen gehabt. Erstaunlich ist jedoch: Fast nichts davon ist in seiner Musik wiederzufinden, die völlig unbeeinflußt davon in sich ruht. Zum Vergleich ist bereits die Musik seines bekanntesten Sohnes C. P. E. Bach bereits im Sturm und Drang deutlich „irdischer“, emotionaler aufgeladen. Von den Klassikern wie Mozart oder Beethoven ganz zu schweigen.


Das zeigt: Ja, als Mensch gibt es die menschliche Situation, die Widrigkeiten, die Stimmungen, die damit einhergehen, aber es ist nicht die volle Wahrheit. Es gibt etwas, das in dem ganzen völlig rein und klar bleibt, weil es wie der Himmel der ständige Hintergrund von allem ist, mögen noch so wie viele Wolken und Stürme aufziehen. Das spiegelt so gut wie kaum ein anderer das Werk des „alten“ Bachs.


So heißt es: „Gottes Zeit ist die beste Zeit“. So läßt sich die Musik erst aus dieser religiösen Sinndimension richtig verstehen, da sie über das irdische Dasein hinausführt. Wo es nicht mehr nur um das reine Überleben, Geld-Verdienen und Vergnügungen-Abstauben geht, was die diesseitige, sinnentleerte Kultur ausmacht, sondern ein weiter Horizont geschaffen wird, der aufzeigt, daß es mehr gibt.


Dabei geht es aber nicht um „Gott“ als altertümliche, überholte Vorstellung eines bärtigen Mannes im Himmel, sondern ich würde das in der eigentlich schon viele älteren Weise als „Selbst“ bezeichnen, als Erfahrung des bewußten Anwesend-Seins im Hier und Jetzt. Sich damit wiederzuvereinen, das ermöglicht wieder Sinnerfahrung. Wie gesagt, es ist das, was alles umfaßt, wie der Himmel oder das All, in dem alles enthalten ist, und doch nichts damit zu tun hat.


Einen Vorgeschmack das zu erfahren kann Bachs Musik ermöglichen, vorausgesetzt sie kann tiefer eindringen und ihre Gravitationswirkung entfalten.


 
 
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