Es gibt nichts zu fordern

Ich habe heute viele Livestreams aus Berlin angesehen, und bin sehr berührt über den Mut und den Einsatz so vieler Leute, für die Freiheitsrechte von uns allen einzutreten. Auch jeder Einzelne, der sich für seine Kinder einsetzt verdient höchsten Respekt, der Schreiben verfaßt, sich ohne Maske zeigt, ein Schild hochhält, den Mund aufmacht. Von diesen Menschen lebt nämlich gerade unsere Kultur. Alle anderen sind doch schon tot.


Ich merke bei mir jedenfalls, daß ich das alles gar nicht so sehr als meine Hauptaufgabe sehe, nämlich, die Gesellschaft zu befreien. Ich merke das vor allem jetzt, wo ich durch eine Fußverletzung lahmgelegt bin: Keine noch so freie Gesellschaft wird mir da helfen können. Wenn ich selber nicht fit und gesund bin, kann das politische Umfeld noch so offen sein, es würde mir nichts bringen. Solange ich an mein Bett gefesselt bin, ist das mein Problem, nicht, was da draußen alles passiert.


So ist das aber nicht nur mit der köperlichen Gesundheit, sondern vor allem auch mit der Gesundheit im spirituellen Sinne: Bin ich in meinem Verstandeskäfig, so nützt mir keine Reformbewegung, mich daraus zu befreien. Selbst wenn mir und meiner Entfaltung andere auch positiv gesonnen sind, so habe im Kern nur ich ein Interesse daran, wirkliche Genesung zu erleben.


Das Mitgefühl mit anderen kann nur aus diesem Interesse an der Freiheit von einem selber erwachsen. Denn nur wer sich selbst liebt und wertschätzt, kann das auch anderen entgegenbringen.


Womit ich bei den Kindern bin. Hätte ich selber Kinder, so wäre klar, daß ich alles im Rahmen meiner Möglichkeiten unternehmen würde, um sie so weit es geht vor den staatlichen Übergriffen zu schützen. Ich weiß aber auch, daß ich sie letztlich nicht wirklich komplett retten könnte, so leid es mir tut, weil ich nicht die Mittel und die Möglichkeiten des ganzen Apparats habe, den ja auch die Mehrheit der Menschen stützen. Ich müßte die Gehirne all dieser Leute, Lehrer, Beamte, Politiker, umprogrammieren, damit sich wirklich was ändert. Bei mir selber merke ich jedoch, daß es ziemlich schwer, wenn nicht unmöglich ist, anders zu denken und zu handeln, als ich es nun mal tue. Wie kann ich das dann von diesen Leuten erwarten? Sie etwa rütteln und schütteln, damit sie nicht so beschränkt sind?


Es geht nicht darum, Widerstand gegen all diese Strukturen zu zeigen z. B. indem ich die Maske verweigere, sondern das zu leben, was ich bin, (was auch eigenen Kindern vorgelebt werden kann) und das ist und bleibt für immer frei, ganz egal, was passieren mag, selbst unter Einschränkungen bis hin zu Freiheitsberaubung oder -folterung: Die Wahrheit bleibt die Wahrheit, sie beseelt trotz der schlimmsten Umstände unbeirrt, gibt unermüdlich Kraft, Inspiration, Kreativität und Mut. Diese Kraft hat es überhaupt nicht nötig zu diskutieren oder zu fordern, denn was interessiert es Licht, ob Schatten auch hell ist. Da wo Licht ist, ist es hell, und um mehr muß man sich nicht kümmern.


Das heißt nicht, gar nichts mehr zu tun. Wenn es konkrete Möglichkeiten gibt, sollte man sie auf jeden Fall angehen. Ich sage nur: Die eigentliche, frohe Botschaft kommt über das Sein, über die Menschlichkeit, die hochgehalten wird.


Hier spielt auch eine Kompetenz mit hinein, die ich über jahreslanges Zusammenleben mit Charakteren herausgefunden habe, die nie ein Interesse an mir hatten, auch wenn ich das immer naiverweise angenommen habe. Genauso verhält es sich nämlich mit den Politikern, die genauso kein Interesse am Wohl des Volkes haben. Es ist genau richtig, daß die Leute, die sich jetzt an deren Entscheidungen reiben, das erleben, damit sie endlich herausfinden, daß sie hier selber gefragt sind, erwachsen zu werden und auf eigene Beine zu kommen. Das heißt, daß sie sich nicht mehr auf diese Obrigkeit verlassen, und zu ihrer eigenen Kraft finden, die ihnen vorher immer abgesaugt wurde (wie ja der Steuerstaat Lebensleistungen absaugt). Wer nämlich die eigene Verantwortung abschiebt, der wird eben bevormundet, so wie Kinder, nur, daß man als Erwachsener das nicht muß, sich aus freien Stücken degradiert.


Deswegen ist es auch so: Wer gegen die Obrigkeit rebelliert, indem er sich z. B. mit der Polizei oder mit den Schulen anlegt, ist eben letztlich doch noch Kind, weil er denen eine Wichtigkeit einräumt, die sie gar nicht haben. Der wirklich erwachsene, freie Mensch hat das doch gar nicht nötig. Der unterstützt die freiheitlichen, lebendigen Impulse, weil er sie auch in sich selber begrüßt, braucht aber weder Beifall, noch, daß sich andere so verhalten, wie er es gerne hätte. Wo es Konsequenzen zu ziehen gibt, zieht er sie, und wo etwas zwecklos ist, verschwendet er auch nicht unnötig Energien. Insbesondere aber läßt er sich von diesem Staat nicht vereinnahmen, selbst wenn er bis zu einem gewissen Grad mit Pflichten mitgehen muß, um nicht bestraft zu werden. Er kann jedoch nie gefangen werden, so wie ein Virus, was sich auch von diesen Stofflappen nicht aufhalten lassen würde. Genauso läßt sich auch ein freier Mensch nicht von diesen ganzen Regelungen abhalten, innerlich vollkommen frei zu sein.




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