Es geht um mich

Ich erlebe das außen gerade als Sackgasse. Da die Gentherapie und damit die Gefährdung meiner Gesundheit nicht in Frage kommt, stehe ich vor starken Repressalien durch den Staat und der Mehrheit, die immer mehr um sich greifen und den Bewegungsspielraum erheblich einschränken. Es ist, wie wenn sich um einen herum eine Riesenwand erheben würde, an der es kein Vorbeikommen zu geben scheint, und die auch immer enger wird.


Die Frage, diese Mauer niederzureißen stellt sich angesichts der schieren Übermacht dieses Systems definitiv nicht. Es wäre die reinste Wahnvorstellung das überhaupt zu versuchen.


Nun bin ich also da und sehe, wie die Lage immer bedrohlicher wird. Wie die Schlinge immer enger wird. Wie ich mich angesichts dessen durchaus auch klein, schwach und wie ein Spielball der Kräfte fühle. So, wie praktisch schon mein ganzes Leben, mißverstanden, als Ziel von Häme, Forderungen und Zwängen, die mich schikanieren und unter Druck setzen wollen, wo ich zu spuren habe. Jetzt nur in größerem, ja globalem Ausmaß, unentrinnbar.


Diese Angst oder Unsicherheit will aber etwas sagen, sie hat eine Bedeutung.



Ich habe mich geirrt, es wirkt nur wie eine Sackgasse. Es ist eher ein schmales Portal, ein Durchgang, in dem das alte Muster abgestreift wird und etwas Neues passiert, eine große Lehrchance wartet.


Die Energie im Bauch wächst von Tag zu Tag. Natürlich kann der Kopf damit nie und nimmer umgehen, weil er ihr hinterherläuft, von ihr überschwemmt wird. Zum Kopf zählen aber alle herkömmlichen Herangehensweisen, wie hier nun etwas passieren muß: Demos, Klagen, Beschwerdebriefe, Diskussionen. All das ist altes Denken und kann nur ergänzend laufen, aber nie die eigentliche Wirkung sein. Die findet woanders statt. Wo ich nicht mehr vor mir weglaufe, sondern wo ich mich dem stelle, was in mir abläuft.


Dort wartet hinter der Angst, wie ich merke, eine unbändige Kraft und Entschlossenheit, die selbst von der größten Übermacht, und dem größten Unwetter nicht berührt werden kann, da sie im Ursprung klar und rein ist. Damit im Einklang können selbst noch härtere Bedingungen, noch härtere Repressalien, noch mehr Einschränkungen (die in unserer Situation durchaus noch nicht am Ende der Fahnenstange sind) gar nichts an der Zuversicht und dem Sinn- und Wertgefühl ändern, welches ich unerschütterbar trage und voller Stolz hochhalten kann.



Ich würde mich nicht verprügeln lassen, wenn es nicht sein muß. Den Märtyrer zu spielen ist noch nicht die Sache, die hier wirklich weiterhilft. Es ist eher dieses Wissen oder die Überzeugung, ab einem bestimmten Punkt keine Kompromisse einzugehen, und dafür auch bestimmte Nachteile in Kauf zu nehmen, was mit der Verweigerung der Gentherapie definitiv so ist. Keine Macht der Welt wird mich dazu drängen können! Es ist der Scheidepunkt, an dem ich mich gezwungenermaßen fragen muß, auf welcher Seite ich stehe, wo es keinen Zwischenraum mehr gibt, sondern eine klare Grenze. Wo ich mich nicht mehr verstecken kann, sondern klar gefragt bin. Und dieses Heraustreten ist eine große Hilfe.