Eine gute Zeit hängt von mir ab

Der Gedanke und das Gefühl, jetzt in der falschen Zeit zu leben - was sicher viele haben werde - kann ich gut nachvollziehen, denn sie ist nun mal alles andere als rosig in dieser sich zunehmend abzeichnenden Diktatur.


Mir wird hier aber etwas ganz anderes klar: Daß es gar nicht darum geht, daß einem das Umfeld und die Gesellschaft einem ein schönes, bequemes, gemachtes Nest bereitstellt, in das man sich nur dankbar reinzulegen braucht. Es ist, was ein Kind vielleicht benötigt, weil es alleine noch nicht überlebensfähig ist, aber als Erwachsener? Was bedeutet das? Damit bin ich noch gar nicht in der Position angekommen, in der ich eigentlich bin, die erst ermöglichen würde, daß gute Zeiten in einem Land überhaupt erst in Erscheinung treten - wenn genügend das auch für sich erkennen. Wie soll es gute Zeiten ohne Menschen geben, die selber dafür sorgen, zumindest einmal in ihrem eigenen Leben?


Genau da würde erst eine gute Zeit anfangen. Nicht "da draußen".


Und was meine ich nun mit guter Zeit? Sicher nicht Entspannung, Urlaub, Sex, Essen, Sofa-Abhängen und dergleichen. Eine gute Zeit ist nicht konsumierbar. Unmöglich. Sie ist und kann nur Produkt meines eigenen Einsatzes und Energieaufwandes sein. Je mehr ich von mir öffne und einbringe, desto mehr verstärkt sie sich, denn desto durchlässiger wird die Ego-Kapsel für Lebenskraft. Und aus Lebenskraft entsteht nicht nur neues Leben, sondern auch Produktivität, Enthusiasmus, Elan, sogar Genuß an Arbeit, Prosperität, Aufblühen.


Hier ist jeder Einzelne entweder Teil der Lösung oder Verhinderung davon, daß das stattfindet. Mit einer Zeit oder einem Zeitgeist, und wie "der ist", hat das nicht das Geringste zu tun. Ganz im Gegenteil: Daß man darauf schaut und das für wichtig hält ist genau der Beweis dafür, daß die Aufmerksamkeit vom eigentlich wesentlichen Punkt, bei einem selber, abgelenkt wird.


Wo ich für mich eine gute Zeit erschaffe, erschaffe ich sie indirekt gleichzeitig auch für diese Gesellschaft, für meine Mitmenschen, bin ein Motor und eine Kraft für meine Umgebung. Das hat nichts mit Innerlichkeit, Esoterik oder Abwendung von der Welt zu tun, sondern ist rein physikalisch so: Die Energie fließt von innen nach außen, wird nicht von außen gesaugt. Und wem Energie zu esoterisch klingt, der kann es auch einfach Lebendigkeit, Interesse, Wille, Bereitschaft nennen, alles Dinge, die vielleicht nicht wie Kilogramm oder Meter meßbar, aber dennoch definitiv vorhanden und spürbar sind. Und auf diesen Bereich, jenseits des Verstandes, kommt es letztlich an, daß sich etwas in eine neue Richtung vollzieht.