Die Wirklichkeit ist ruhig

Wenig begreift das Volk das Große, das ist: das Schaffende. Aber Sinne hat es für alle Rufführer und Schauspieler großer Sachen.
Um die Erfinder von neuen Werten dreht sich die Welt – unsichtbar dreht sie sich. Doch um die Schauspieler dreht sich das Volk und der Ruhm: so ist der Welt Lauf.

Nietzsche in Also sprach Zarathustra, Von den Fliegen des Marktes

Gefunden auf nachrichtenbrief.com


Die C.-Massenhysterie hat keine Basis, ist eine reine Luftnummer und Show ohne konkretes Fundament. Hier ist nichts anders als früher auch, aber der Selbstablenkungstrend des Verstandes fixiert sich so sehr auf ein angebliches Problem, der ganze Mensch versteift sich darauf, daß gar nicht mehr gesehen werden will, daß da gar keine Grundlage mehr besteht, gar nichts ist.


Die ganze Zahlen, die da kursieren, Inzidenzwerte, was auch immer, sie alle schweben im Raum, ohne das sie überhaupt noch irgendeine Relevanz in der Wirklichkeit hätten. Die Masse jedoch, sie sammelt sich um die Schaumschläger und Rudelführer, die sich aufschwingen, "das Problem" (was es nicht gibt) zu lösen, wofür sie dann noch gefeiert und bejubelt werden. Sie sammelt sich hinter Autoritäten, die ihnen "Sicherheit" versprechen, nicht hinter Kompetenz oder wirklichem Fachwissen.


Ich empfinde dieses ganze Theater nur noch als ohrenbetäubenden Lärm, die ganzen Schlagzeilen, Neumeldungen, Gedanken der Leute sind ein schrilles, großes, verwirrendes Durcheinander, eben genau das, was der innere Dialog ihnen da ständig eingibt, und worin sich dann gegenseitig bestätigt wird.


Das Eigentliche übersehen alle diese Leute, auch die Kritiker, die ja genauso in den Lärm miteinsteigen, sich wundern, wieso sie nicht gehört werden, deswegen meinen, noch lauter werden zu müssen, mehr Gegenpropaganda auffahren zu müssen, um gegen den Hauptlärm anzukommen, der sonst herrscht.


Die Wirklichkeit dagegen ist nämlich total ruhig und unaufdringlich, in der Natur, am Fluß, weit ab der Städte. Das merke ich z. B. auch zunehmend daran, daß mir selbst Musik zu viel wird, ich kaum noch welche höre, nicht mal im Auto. Es ist, wie wenn ich dann etwas von außen in mich hineinstopfen würde, was ich nicht wirklich brauche. Hin und wieder spiele ich zwar selber, aber das ist mehr etwas, wo ich von innen her etwas gestalte, und was daher nicht diesen Effekt hat.


Dieses Selber-Gestalten ist die ruhigste Arbeit, die es gibt. Aber genau da entsteht das, was eine Kultur wirklich befruchtet. Das fällt nie groß auf, wenn es passiert, und ist wie Nietzsche es richtig beschreibt eigentlich schon unsichtbar. Nur wenige, sehr sensible Charaktere, die sich nicht haben abstumpfen lassen, haben dafür noch empfangsbereite Antennen. Und das sind dann die, denen ich mich mitzuteilen versuche.