Die Kerzenflamme des Lebens

Die Kerzenflamme des Lebens [INTERN]


Natureindrücke beim morgendlichen Laufen:


Es war überraschend sehr kalt und so drehte ich nochmal um, und zog mir einen Pullover über. Die Sonne ließ ihr erstes Rot über die Landschaft schimmern und so brauchte ich keine Stirnlampe, um zu sehen, wohin ich überhaupt laufe. Beim Verlassen des Dorfes war das Grün der Felder zugunsten eines weißlich-bläulichem Eisüberzugs gewichen. In den ersten Lichtstrahlen schimmert es ein wenig. Die Luft war sehr kühl und brannte im Gesicht und in der Nase beim Einatmen. Es war sehr klar und die Bergkette im Süden wirkte sehr nah.


Hinter dem nächsten Dorf ging es den steilen Hang herunter. Durch die Bäume erblickte man ein weites Nebelmeer am Grund des Hanges, ein Meer, welches sich bis zu der, sich am Horizont abzeichnenden, dunklen Gebirgssilhouette zu strecken schien, die die Grenze zum Himmel markierte. Dazwischen ragten ein paar Inseln aus Bäumen heraus.


Es war kälter unten in der flachen Landschaft. In der Ferne waren vage die Umrisse eines Rehs zu erkennen, welches wie erstarrt in meine Richtung blickte, sich aber nicht rührte. Der Boden war gefroren. An einigen Stellen gab es Eisflächen, die sich wie riesige Spiegel über die ebene Wiese streckten. Es war keine Menschenseele weit und breit.


Wieder oben am Hügel, kurz vor dem Dorf, gab es einen kleinen Durchgang im Zaun zur Weide. Von dieser Weide breitete sich die Landschaft unter einem aus. Das Morgenrot im Osten wich schon deutlich einem viel helleren Gelb, das nun auch die wenigen Wolken am Himmel klarer sichtbar scheinen ließ. Das Nebelmeer hatte nun einigen Lücken, und braune bis grüne Stellen zeigten sich deutlicher. Es war außerordentlich still. Es gab ein wenig Zwitschern hier und da, und auch ein Flugzeug zieht Aufmerksamkeit auf sich. In der Ferne rauscht alleine ein Auto an. Es scheint den Tag zu eröffnen, den nun ist auch die Autobahn zu hören, dessen Geräuschkulisse vorher gar nicht wahrgenommen wurde.


Das Land so klar vor mir ausgebreitet, fühle ich mich wie am Ziel und gleichzeitig am Anfang einer langen Reise.