Der Geist einer Ära

Es ist eine der größten Mythen unserer Zeit: Daß dieses moderne, neue Zeitalter irgendwie fortschrittlicher, erkenntnisreicher, mitmenschlicher oder erfahrener wäre, als frühere Zeitalter.


Die moderne Gesundheitsdiktatur ist nur die Spitze dieses Irrglaubens, denn die posaunt ja aus allen Sprachrohren ihre Großartigkeit, ja geradezu Übermenschlichkeit, denn wem wird nicht alles geholfen und wer wird nicht alles vor sich selber gerettet?


Es heißt, der Geist einer Ära sei etwas, zu dem man nicht zurückkehren kann. Daß dieser Geist allmählich schwindet, liegt daran, dass sich die Welt ihrem Ende nähert. Aus diesem Grunde ist es auch wenn man es möchte nicht möglich, die heutige Welt in den Geist von vor hundert Jahren oder mehr zu versetzen. Es ist daher von großer Bedeutung aus jeder Generation das Beste zu machen.

Aus dem Hagakure


Der Geist einer Zeit ist weder besser noch schlechter als der einer anderen. Letztlich ist es sogar völlig scheißegal, wie genau er beschaffen ist, denn es geht gar nicht um ihn; es geht nicht darum auf einer gesellschaftlichen Kollektivbewußtseins-Ebene (was eigentlich das Gegenteil von Bewußtsein ist, aber das würde jetzt zu weit führen) irgendeine feste Veränderung hervorzurufen, weil das ohnehin gar nicht möglich ist. Bauwerke, Erfindungen, vielleicht sogar Erfahrungsschilderungen einzelner echter Menschen, die können überdauern und vielleicht später einige wenige Einzelne wieder befruchten, aber für einen selber ist auch das völlig unerheblich, weil das gar nicht mehr erfahren wird.


Wie es im Hagakure richtig beschrieben ist, geht es jetzt darum, das Beste aus dieser Generation zu machen, auch wenn da vielleicht deutlich weniger möglich ist, als früher.

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