Der normale Mensch wird seinen Verstand nie hinterfragen

Der normale Mensch wird seinen Verstand nie hinterfragen, ja noch nicht einmal anschauen. Nie, nie, nie! Es wird alles getan, nur das nicht, auch wenn das das Allerwichtigste wäre, was jemand tun würde, das behaupte ich jetzt einfach mal so dreist.


Mir ist das in näheren Kontakten aufgefallen, trifft aber auf praktisch jeden Menschen zu: Der eigene Verstand ist nie Gegenstand der Beobachtung. Der Fokus ist immer das Verhalten anderer, gepaart mit völliger Identifikation mit eigenen Stimmungen, Gemütslagen und Überzeugungen dazu. Neutrales, nüchternes Betrachten ist absolute Fehlanzeige. Weder bei sich, noch bei Vorgängen in der Welt. Alles ist gefärbt, wird dadurch verfälscht, verschwommen und unklar.


Der Unterschied ist mir so kraß aufgefallen, weil ich gemerkt habe, daß das bei mir sehr wohl anders ist, bei mir etwas abläuft, was den meisten scheinbar völlig fehlt: Das Überprüfen und Hinterfragen eigener Verstandesmuster und Verhaltensweisen. Diese setze ich nämlich nicht absolut, sondern schaue genau auf Stichhaltigkeit: Stimmt es überhaupt, was ich da denke, annehme, behaupte, von mir gebe? Ist das im Einklang mit den Fakten? Erst wenn diese Überprüfung erfolgt ist, und dadurch ja erst Klarheit gewinne, kann ich das auch vertreten. Eins mit einem Fakt zu sein heißt dann eben nicht stur oder trotzköpfig nichts anderes mehr zu Kenntnis zu nehmen und völlig vereinnahmt von sich zu sein, sondern einfach nur das: Eins mit dem zu sein, was nun mal ist, so, wie es nun mal ist. Da gibt es dann auch nichts zu revidieren, zu entschuldigen, keine Kompromisse mehr zu schließen, nichts mehr zu verhandeln, nichts mehr daran herumzulaborieren, sondern es ist ein Fundament, das ich gar nicht mehr verlassen muß, weil es ja die Basis ist. Wieso sollte davon abgerückt werden zu einer Vorstellung, einer Erwartung, einer Hoffnung? Was wäre dadurch gewonnen?


Es ist interessant, daß es dann heißt, ich oder jeder andere, der sich nur auf die Fakten beruft, sei rücksichtslos, nicht zu Kompromissen bereit, von sich eingenommen oder sogar beziehungsunfähig, während es in Wahrheit sie selber sind, die ihre eine Sichtweise - die sie selber wie gesagt völlig außen vor läßt - als unverrückbar und in Stein gemeißelt behandeln. Daran darf nie gerückt werden. Da gibt es kein Überprüfen, kein Hinterfragen, ob daran vielleicht etwas nicht ganz stimmt, nein, das im außen ist das Problem, was der andere da sagt oder tut, das stört, soll verändert werden, das "will man nicht". Ist der oder das vielleicht dann weg, kommt dann aber das Nächste, "das stört" und weg soll, der nächste Störenfried, der nächste dumme Politiker, wer auch immer. So hängen dann diese Menschen in ihrer Schleife.


Es ist so lehrreich, weil es praktisch alles erklärt, was gerade hierzulande passiert, und zwar nicht nur, was die Mitläufer angeht - von denen will ich gar nicht sprechen - sondern besonders was die angeblich so Kritischen, Skeptischen betrifft, die das Problem nur nach außen verlagern und dort nach Lösungen suchen, die es da gar nicht gibt, weil sie sich selber außer Acht lassen. Das nämlich, was diesen Karren in den Dreck fährt ist ihr eigener Verstand, der aber nie zum Thema gemacht werden darf. Dieser Verstand zerstört Lebensfreude, Freiheit, Wohlstand, ein offenes Gemeinwesen, Entfaltung, ja sogar Liebe, weil er durch seine Vorstellungen Wahrheit, das, was tatsächlich ist, verdunkelt. Ich gehe sogar noch weiter: Der Verstand lügt, von morgens bis abends; in jedem einzelnen Gedanken stecken lauter Lügen, Täuschungen, falsche Glaubenssätze, Überzeugungen, Ideologien, die alle verhindern sollen, daß da noch ein authentisches, lebendiges Wesen zum Ausdruck kommt. Das verhindern nicht die Medien oder die Politiker.


Interessant fand ich bei dem von Gerd-Lothar gestern geteilten Beitrag in Telegram das Zitat von Buddha:


“It is a man’s own mind, not his enemy or foe, that lures him to evil ways.”


"Es ist des Menschen eigener Verstand, nicht sein Feind oder Gegner, der ihn auf böse Wege lockt."


Der Autor ist nicht zufällig Chinese. So etwas würde man nämlich in einem westlichen, politischen Blog weit und breit nie finden. Auch auf deutschen Seiten nicht. Da gibt es das Thema gar nicht, "der eigene Verstand". Das gilt als Esoterik-Spinnerei und ist nicht "alltagstauglich", "wir haben schließlich andere, wichtigere Probleme". So irren diese Menschen umher in ihrem falschen Weltbild, welches sie selber zu einem unbedeutenden Krümelchen degradiert, weniger als ein Sandkörnchen am Meer, während sie auf der anderen Seite widersprüchlicherweise dem irrwitzigen Wahn erliegen, als solches dann das gesamte Universum beeinflussen zu wollen, was der Kritiker als Gegenmacht zum Mainstream ja genauso will, im Unterschied zu den Regierenden das jedoch nur als Wunschvorstellung hat, "er würde es ja selber ganz anders machen".


Es führt kein Weg daran vorbei, bei sich selber erstmal Klarheit zu schaffen, und mit diesem ganzen unlogischen Unsinn, der da in einem tobt, aufzuräumen. Ohne das ist alles, was da von einem kommt nur ein Echo und ein Widerkauen von Vergangenheit, von westlichem-rationalistischem-altgriechischem Denken, mit ein bißchen christlichem Glitzer obendrüber, damit das Ganze nicht völlig tot und sinnentleert wirkt.


Dieses gesamte Denkgebäude des Westens (nicht nur sein Militär, sein Geld, seine Kultur) ist ein sinkendes Schiff und es ist kein Verlust, das sich selber zu überlassen. Du bist, wenn du dich davon abwendest, dann auch nicht alleine und verlassen (womit der Verstand auch gerne kommt), sondern du kommst zum ersten Mal in deinem Leben überhaupt erstmal bei dir an. Der einzige Punkt, wo jemand jemals wirklich sein kann, wenn das nur mal jemand kapieren würde! Erst an diesem Punkt bist du wirklich in der Lage zu helfen, etwas von Wert beizutragen, aber nicht, weil du meinst, du könntest damit das, was hier falsch läuft stoppen oder nach eigenem Willen steuern, sondern einfach nur, weil es deine Natur ist, dein Wesen, dein Verständnis von Zusammenhängen, deine Beobachtungsgabe mitzuteilen, mitzugeben, zur Verfügung zu stellen. Nur darum geht es, daß bei dir wieder Harmonie herrscht. Der Rest regelt sich dann von selber, wie ja auch in der Natur zu sehen ist.