Manifest einer freien Sexualität


Sexualität: Überall werde ich damit bombardiert, und körperlich, wie mental ist das eines der dominierenden Faktoren in meinem, wie in jedermanns Leben. Mir fällt auf, wie stark dabei die Beeinflussung seitens Medien, wie Filmen, Serien, aber auch Zeitschriften ausfällt. Besitzansprüche an den Partner des anderen Geschlechts werden dort nämlich als normal propagiert, zu merken an Worten wie "betrogen", "fremdgegangen", so als hätte man die Genitalien des anderen vertraglich zugesichert bekommen. Vertragsbruch der anderen Partei wird beklagt bei Nicht-Einhaltung. Dafür muß noch nicht einmal der Ehevertrag geschlossen werden.

Ich muß mittlerweile nur noch lachen, wenn mir jemand damit kommt, selbst wenn derjenige auch meint freiheitlich gesonnener zu sein. Es ist dieses Reden von "seiner" Frau, oder "ihrem" Mann, was das Hängen im Mainstream offenbart. Diese unscheinbaren Worte sind in ihrer Wirkung verheerender, als man zunächst annehmen mag. Wie kann man eine Beziehung zu einem Menschen besitzen? Ist es doch etwas Immaterielles, etwas, was nur im Moment zwischen zwei Menschen aufkommt, und geht man auseinander, ist es weg. Da ist es doch egal, was der-/diejenige dann macht, oder? Ich rede doch auch nicht von einem Besitz der Freundschaft, wenn ich mit einem Kumpel zu tun habe. Es ist eine Interaktion im Hier und Jetzt, jeden Moment neu, und deswegen nichts fix Besitzbares.

Klar, man hat vielleicht gemeinsamen Besitz, Wohnung, Möbel, Auto, Haustiere, oder selbst Kinder (die jetzt nicht direkt Besitz sind, aber aus einer gemeinsamen Interaktion entstanden sind), aber trotzdem ist der andere Mensch völlig frei, mit wem auch immer zu interagieren. Der Punkt ist: Menschliche Interaktion, und dazu zählt auch Sex, sind kein Gegenstand, den ich mir sichern kann, und auf den ich ein Recht habe. So einfach ist das.

Für mich ist dieses Standarddenken das perfekte Beispiel dafür, daß es in der Menschheitsgeschichte keinen Fortschritt gibt, ganz im Gegenteil: Die Beschränktheit und Verblendung hat an Überhand gewonnen. Ich meine, bereits vor vierzig Jahren gab es Bewegungen, die all diese unnötigen Verkümmerungen über Bord geworfen haben, sich frei gegeben haben, und Wilhelm Reich und Otto Mainzer haben bereits vor mehr als siebzig Jahren völlig neue Sichtweisen eröffnet. Anscheinend ist das aber alles in der Versenkung verschwunden, und hatte Null Effekt.

Diese Gesellschaft gibt sich gerne den Anstrich von sexueller Offenheit, mit irgendwelchen Plakaten von Liebesleben.de oder Partnerbörsen, aber die erotische Energie ist tot. Selbst wenn sich Paare noch finden: Die Ausstrahlung ist nicht die von Dankbarkeit und Schönheit, sondern verspannt, öde, gelangweilt und unfrei. Also wenn das so ist, dann bin ich lieber alleine, muß ich zugeben.

Ich merke schon: Mit diesen Worten bin ich ein absoluter Außenseiter, denn jeder wird mir das auszureden versuchen, sagen, daß es so nicht möglich ist zu leben, ohne Besitzansprüche, ohne Ehe, ohne dieses ganze Hick-hack in Partnerbeziehungen. Auch, daß ich ja noch keine Erfahrung hätte, und deshalb gar nicht wüßte, wie das ist, daß ich sicher auch eifersüchtig werden würde usw. usf. Es ist aber so: Habe ich einmal Schädliches erkannt, weiß ich, daß ich das nicht brauche. Wozu sollte ich mich belasten, denn all diese falschen Denkweisen über Sexualität sind nur das: Überflüssiger Schund, der nur Schaden anrichtet, alles verkompliziert und erschwert, was von Natur aus leicht ist.

Wenn ich von Freiheit rede, rede ich aber nicht von Dreiern oder sonstigen abstrusen Sexpraktiken, denn ich denke schon, daß Sex natürlicherweise zwischen einem Mann und einer Frau abläuft, aber eben im Moment. Damit meine ich für den Moment des Beisammenseins ist es sicher zutreffend dem Gegenüber treu zu sein, genauso wie wenn ich einem Gesprächspartner in einer Menschengruppe treu bin, und nicht mit ganz anderen spreche, die daneben stehen. Aber mehr ist es auch nicht.

Ich bilde mir jetzt sicher nicht ein, hier irgendjemanden zu beeinflussen, geschweige denn diese Kultur dahingehend zu ändern, daß sie doch anders wird. Was ich will ist aufzeigen, daß diese Lebensweise so nicht sein muß, und den Horizont für wahre Freiheit, Offenheit und Liebe eröffnen, denn nur so hat all das überhaupt erst eine Chance. Alles andere ist ein Sich-verbarrikadieren hinter alten, verkrusteten Mauern, die alles, was schön ist, einsperren und unter Verschluß halten will. Und sowas ist einfach schade.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, Impressum