Tägliche Disziplin als Schlüssel


Zurück zum Schreiben. Es tut mir einfach gut. Ja, Videos sind hier und da definitiv lebensnaher, aufschlußreicher bei nochmaligem Ansehen, direkter, aber die Basis bleibt das Schreiben. Und da will ich weiter dranbleiben, weil es mir doch sehr viel gibt. Das einfach aufzugeben wäre fatal, eindeutig.

Weil ich das ja schon einige Zeit lang jeden Tag gemacht habe, entsteht nebenbei eine neue Entdeckung: Es ist alles möglich, und ich könnte potentiell alles verwirklichen, alles tun, alles erreichen, was ich mir vornehme. Der Schlüssel ist ganz einfach die tägliche Disziplin, an einer Sache dranbleiben. Der Rest ergibt sich Stück für Stück.

Erfolg heißt ja, daß etwas erfolgen muß. Und nicht nur einmalig mit der Hauruck-Methode, sondern stetig, jedes mal aufs Neue. Ich beherzige das nicht immer. Manche Dinge sind mir wichtiger, andere lasse ich wieder schleifen. Das Klavierspiel macht mir hin und wieder Spaß, aber dauerhaft habe ich es bisher nicht geschafft, den Willen darauf so stark zu fokussieren, daß ich mich da quasi vollkommen hingebe, darin sehr gut werde, auch praktiziere, wenn ich nicht unbedingt Lust habe. Auch das ist wichtig, weil nur dann der Wert der Aufgabe an der ersten Stelle steht, und nicht die Gemüts- oder Körperzustände.

Aber wie gesagt, wenn es bei einer Sache klappt, geht das auch bei anderen. Das gibt einem dann auf jeden Fall eine tiefe Zuversicht in sich selber, und das alleine ist schon unfaßbar viel Wert. Mit dem Laufen kann ich das zurzeit sehr gut beobachten. Mit jedem Tag, den ich rauskomme, egal ob es kalt ist oder regnet oder schneit, mit jedem einzelnen Schritt da draußen in der Morgendunkelheit entsteht mehr Klarheit, mehr Entschlossenheit, ja, auch mehr Freiheit.

Freiheit, weil ich eine neue Option gewinne, weil ich mehr über mich verstehe, verstehe, daß ich nur wirklich glücklich sein kann, wenn dieser innere Widerstand mich nicht mehr beherrscht und limitiert. Zu verstehen, daß diese Zufriedenheit mit sich nur da entstehen kann, wo das nicht mehr geglaubt wird, wo jetzt etwas anderes zählt, durchaus etwas Höheres, etwas weit, weit Überlegeneres.

Es klingt alles so leicht, aber ich kenne es von mir, und sehe das auch in der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung, daß da im Normalfall die Energie zu fehlen scheint. Ich wüßte jetzt auch nicht, woher diese Energie kommt, wieso manche Unternehmer, Sportler oder Künstler sie haben, und andere nicht, aber ich würde sie jetzt einfach mit dem schönen Begriff Lebenskraft zusammenfassen. Es ist das, was Leben will, was alle Strapazen auf sich nimmt, und sie auch noch spannend findet. Was die Herausforderung sucht, sich auch in unangenehme Situation bringen möchte, weil dort wieder etwas Unbekanntes wartet. Geil, genau diese Qualität will ich hier und jetzt in meinem Leben haben, und der Rest fällt dann einfach wie eine vertrocknete Warze ab, ist weniger als nebensächlich.


© 2020 Christian Nikitin, Freising, Deutschland, chrnikitin[at]protonmail.com, Impressum